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Manchmal beginnen Tage echt ruppig und schnell: Ich kam heute morgen an und gleich ging es los: Einen Verbrenner-Sarg ausschlagen, dazu muss der Sarg auf Böcke gestellt werden, was mal leicht ist und mal schwer, in diesem Fall einfach noch ungewohnt, ich hatte bis dato noch keinen Sarg tragen müssen. Aber ich glaube ich habe mich ganz gut geschlagen, ich hatte also das Sarg unterteil vor mir und streute den Boden mit Datenmüll aus, hier scheiden sich wohl die Geister, manche benutzen nichts, manche benutzen Holzspäne und und und. Wichtig ist, nur bei ganz kurzen Überführungen wird keine Sperrfolie benutzt, so war es auch in diesem Fall. Also Datenschnipsel rein, eine leichte Erhöhung für den Kopf und ein Spannlaken darüber und mit einem Luftdrucknagler festgemacht, anschließend noch ein Rüschenband am Rand angebracht und das Kissen ausgestopft. Noch einen Talar und die Decke in den Sarg gelegt, Deckel drauf und ins Auto verfrachtet.

Nun ich bin oft Beifahrer, besser gesagt bisher war ich es immer, so auch heute. Wir sind also auf den Weg in die Uniklinik, um einen Verstorbenen abzuholen, alles verlief auch reibungslos und es ging weiter zum Krematorium und dann war es so weit, nach einem Kaffee im Krema, warf mir mein Kollege die Schlüssel zum Auto zu: Es ist echt nicht so, dass ich wenig Auto fahre und auch nicht so, dass ich irgendwie unsicher bin im Straßenverkehr, ich versuche echt immer ordentlich zu fahre und fahre auch längere Strecken privat, aber ich war so derbe aufgeregt! Privat fahre ich ein echt bescheidenes Auto, was vollkommend ausreichend für mich ist und jetzt musste ich eine umgebaute Mercedes E-Klasse fahren: 5.10 Meter lang, keinen Rückspiegel und dank des Umbaus echt kein Schnäppchen. Ich weiß noch was ich nach den ersten Kilometern und der langsam einsetzenden Ruhe sagte: „Halts Maul, Alter, dass ist ein verdammtes Schiff!“ Das Auto fährt sich sehr sehr angenehm, wie Gesagt es ist komisch keinen Innenspiegel zu haben und alles über die Außenspiegel machen zu müssen, auch merkt man den recht langen Radstand. Irgendwann setzte mein Herz wieder ein und eine leichte Entspannung machte sich breit und so konnte ich meine erste Fahrt genießen.

Nun es ging auch direkt weiter: Direkt zum Heimatfriedhof und dort eine Beerdigung vorbereitet, das heißt: Den bereits überführten Sarg noch einmal kontrollieren, gegeben falls noch einmal polieren und die Sargschrauben festziehen, dann den Sarg an den vorgesehenen Platz stellen und dann den bereits angelieferten Blumenschmuck schön arrangieren, dabei gibt es echt viel zu beachten: Engere Familie immer nach vorne, relativ symmetrisch die Kränze verteilen, Kerzen gleichmäßig aufteilen und vor allem Kerzen anzünden. Nun, der Beerdigung habe ich nicht beigewohnt und bin zurück zur Pietät.

Ja auch in einer Pietät gibt es einen Werkstattalltag für Lehrlinge und so durfte ich noch die Werkstatt kehren, während mir mein Kollege noch Gesellschaft leistete und mir hier und da einen nicht ganz ernst gemeinten Spruch drückte. Ich fühle mich nach drei Tagen schon wohler, als nach all den Jahren im Studium und habe jeden Morgen das Gefühl etwas zu schaffen, wenn ich aus dem Haus gehe. Mit meinem Meister und Kollegen komm ich super klar, dass es hier und da Sticheleien gibt ist klar, allerdings teile ich auch gerne und viel aus, von daher kann ich auch einstecken.

Ja heute war es spannend für mich und ich hoffe ich habe nicht allzu viel Mist geschrieben, wie immer gilt: Wenn ihr Fragen habt, dann hier.

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